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Das nächste Umgangswochenende mit Deinem Kind steht vor der Tür. Was es zu beachten gilt, damit die Übergabe des Kindes beim nächsten Mal reibungslos verläuft.

Juhu, das nächste Besuchswochenende mit Deinem Kind steht an und Deine Vorfreude wächst! Doch im nächsten Moment beschleicht Dich ein mulmiges oder abwehrendes Gefühl? Die letzten Übergaben waren alles andere als angenehm. Ein falsches Wort folgte auf das nächste oder wohlmöglich gab es überhaupt keinen Austausch zwischen Euch Eltern. Die Übergabe des Kindes kann eine Herausforderung sein, wenn Mutter und Vater im Konflikt miteinander stehen. Damit Euer Kind in Zukunft unbeschwerter in die Lebenswelt des anderen Elternteils wechseln kann, gebe ich Dir 3 Regeln mit auf den Weg in Dein Umgangswochenende.

1. Regel: Vereinbarte Uhrzeiten strikt einhalten!

Wenn Du Flexibilität schätzt, dann könnte es sein, dass Du es mit der Uhrzeit nicht immer so genau nimmst. Das Leben ist auch nicht immer planbar. Wenn Du einen langen Anreiseweg hast, können Dich Staus von einer pünktlichen Ankunft abhalten. Allerdings könnte es hier bereits brenzlig werden: Wiederholtes Zuspätkommen, auch wenn Du nichts dafürkannst, birgt Streitpotenzial. Auch, wenn es für Dich nicht immer nachvollziehbar ist, lohnt es, einmal die Perspektive des anderen Elternteils einzunehmen.

Tatsache ist, dass Unpünktlichkeit beim anderen Elternteil Stress auslösen kann. Stress macht sich bei jedem Menschen unterschiedlich bemerkbar. Die einen reagieren stark nach außen, werden hektisch, laut oder gar aggressiv; bei anderen krampft sich der Magen zusammen, sie schlucken die aufkommenden negativen Gefühle hinunter, bis es irgendwann aus ihnen herausbricht. Beides ist unbedingt zu vermeiden, denn das Stressverhalten des anderen Elternteils hat eine unmittelbare Auswirkung auf das Kind. Es könnte Angst empfinden, weil es nicht weiß, was gleich wieder passieren wird, wenn Mama sauer ist, weil Papa später kommt.

Ein guter Start ins Besuchswochenende setzt also klar vereinbarte Zeiten voraus, die von Euch Eltern verbindlich eingehalten werden. Sich aufeinander verlassen zu können, steigert zudem das Elternvertrauen.

2. Regel: Worte bewusst wählen – und sonst lieber Abstand!

Es gibt Eltern, die so zerstritten sind, dass ihnen die reine Anwesenheit des anderen Elternteils die Kehle zuschnürt. Schweigen. Keine Begrüßung. Keine Verabschiedung. Sie wollen sich selber schützen, um nicht laut zu werden oder sie sind emotional stark verletzt und empfinden eine große Abneigung gegen den anderen.

Falls das bei Dir der Fall sein sollte, möchte ich Dich um Deine volle Aufmerksamkeit bitten! Bitte nimm Dir jetzt eine Minute Zeit, schließe Deine Augen und spiele die letzte angespannte Übergabe vor Deinem geistigen Auge ab. Danach versetzt Du Dich in die Erlebniswelt Eures Kindes: Was fühlt Euer Kind, wenn Mama und Papa sich so begegnen? Niemand sagt „Hallo“, keiner spricht, es muss schnell gehen, Mama verdreht schon wieder die Augen und Papa grummelt irgendetwas. Wie erlebt Euer Kind diese Situation?

Kinder wollen Frieden. Sie wollen, dass es beiden Eltern gut geht. Und sie werden sich so verhalten, dass es irgendwie gelingen mag, dass es mindestens Mama oder Papa gut geht. Was für eine Mammutaufgabe! Das ist gar nicht zu schaffen, geschweige denn die Aufgabe Eures Kindes.

Kinder spüren alles. Für sie ist die Kindesübergabe eine heikle Situation, die mit viel Unsicherheit verbunden sein kann, vor allem, wenn Ihr beide im Streit seid. Daher ist es wichtig, Minimalkriterien einzuhalten und die eigenen Worte bewusst zu wählen: Bitte begrüße und verabschiede den anderen Elternteil bei der Kindesübergabe! Ein „Hallo“ und „Tschüss“ sind das absolute Minimum, das wir von unseren Kindern doch auch erwarten würden.

Wenn es Euch möglich ist, tauscht Euch kurz miteinander aus, wie es Eurem Kind gerade geht, ob es zum Beispiel Medikamente braucht. Bewährt hat sich hierbei ein kleines Umgangsbuch oder -heft, in das beide Eltern notieren. Das Heft wird beim Umgangskontakt am Wochenende dann mit an den anderen Elternteil übergeben. Wenn Ihr Euch auf einen Mindeststandard einigen könnt, dann wird dieser mit der Zeit zur Routine und Euer Kind erfährt mehr Sicherheit. Alle Themen, die sich nicht auf Euer Kind beziehen, gehören hingegen nicht hier her, sondern sind in einem separaten Gespräch gegebenenfalls Moderation anzusprechen.

Falls Ihr Euch bei der Übergabe des Kindes nicht begegnen wollt oder könnt, weil die Gefahr eines Streits zu groß ist oder Ihr es emotional nicht miteinander aushaltet, empfehle ich Dir, das Kind direkt beim Kindergarten oder bei der Schule abzuholen, oder die Übergabe bei einem Spielfreund Deines Kindes stattfinden lassen. Falls dies nicht möglich ist, dann empfehle ich Euch, dass Euer Kind den Weg von der Wohnungstür zu Dir vor dem Haus allein bewältigt. Besser eine Übergabe ohne persönliche Begegnung als eine Übergabe, bei der die Luft brennt. Das Umgangsbuch hilft hier wieder.

3. Regel: Lasst Euer Kind unbeschwert wechseln!

Abschied schmerzt immer. Und Abschied erlebt jeder von Euch in dieser kurzen Umgangszeit mindestens einmal. Dein Kind im Übrigen zweimal! Sich zu verabschieden ist nicht einfach und dennoch kommt Ihr nicht daran vorbei.

Für Euer Kind ist es wertvoll, wenn es in der Phase des Abschieds gut begleitet wird. Dazu gehört, dass der Elternteil, der das Kind gehen lässt, in einer stabilen emotionalen Verfassung ist. Abschied gehört zum Leben und ist der Anfang der Vorfreude auf das nächste Wiedersehen. Das kann nur gelingen, wenn Du Deine Traurigkeit nicht an Deinem Kind auslebst, auch wenn Du traurig bist. Damit sich Dein Kind gut von dir lösen kann, darfst Du ihm sagen, dass Du traurig bist, aber dass Du dich gleichzeitig freust, dass es nun wieder in sein anderes Elternhaus geht.

Du bist der Erwachsene und übernimmst Verantwortung für Deine Gefühle und Dein Handeln. Es ist nicht die Aufgabe Deines Kindes, Dir Deine Trauer abzunehmen oder die Verantwortung für Deine Gefühle zu tragen. Bleib also wohlwollend und bereite Deinem Kind einen möglichst leichten Weg des Wechsels von einem Elternhaus ins Andere.

Möchtest Du den Abschied mit mehr Leichtigkeit gestalten? Im Artikel "5 Tipps für das Besuchswochenende mit Deinem Kind" findest Du weitere Anregungen.

Dieser Beitrag wurde von unserer Gastautorin Vanessa Matthiebe verfasst. Vanessa ist Gründerin von Familie im Wandel – Eltern bleiben. Sie ist Sozialpädagogin und systemische Familienberaterin mit eigener Trennungserfahrung. Seit über 10 Jahren unterstützt sie getrennte Eltern darin, ein unbeschwertes und friedvolles Elternbleiben nach der Trennung zu leben.

Eine Umgangsregelung hilft bei einem angespannten Verhältnis zwischen den Kindeseltern

Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften für die Umsetzung des Umgangsrechts nach einer Trennung oder Scheidung. Gesetzlich festgelegt ist, dass jedes Kind dazu berechtigt ist, nach der Trennung oder Scheidung Kontakt zu beiden Elternteilen zu pflegen, wenn keinerlei Gefährdung besteht. Eltern sollten deshalb eine verlässliche Umgangsregelung vereinbaren, auf die das Kind dauerhaft bauen kann und ihm Vertrauen in die neue Situation gibt. Die Umgangsregelung kann sowohl schriftlich wie mündlich festlegt werden. Eine schriftliche Umgangsregelung nach einer Trennung oder Scheidung bringt jedoch allen mehr Klarheit und verhindert Missverständnisse.  Entscheidend ist vielmehr, dass möglichst alle Aspekte, die für die Ausgestaltung und Durchführung des Umgangs wichtig sind, bedacht werden. So lassen sich Konflikte auf ein Minimum reduzieren. Das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) liefert in seinem Ratgeber eine Mustervorlage zur Umgangsregelung.

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